
Das nächste Seminar in Hamburg: 25. Juni 2010
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SEMINARE 2008Das Seminar vom 25. April 2008
Am 25. April 2008 fand in Hamburg der erste Seminarabend mit dem italienischen Orgonomen Dr.med. Vittorio Nicola statt. Der Abend wurde mit folgendem kurzen Vortrag eingeleitet: Vielen Dank, daß Sie so zahlreich erschienen sind. (...) Ich bin Patient von Dr. Nicola und gehe ihm etwas zur Hand, weil er noch nicht ganz der deutschen Sprache mächtig ist. Im Mai 2006 organisierten Hamburger Patienten der griechischen Orgontherapeutin Dr. Theodota Hassapi eine öffentliche Vorführung des Films ROOM FOR HAPPINESS, in dem Ausschnitte aus realen Orgontherapie-Stunden gezeigt werden. Neben Dr. Hassapi war auch Dr. Richard Schwartzman aus den USA anwesend, der zusammen mit Dr. Crist und Dr. Konia in den USA neue Orgontherapeuten ausbildet. Dr. Schwartzman wurde gefragt, ob sich nicht in Hamburg ein Orgontherapeut niederlassen wolle. Schließlich hat sich der italienische Orgontherapeut Dr. Vittorio Nicola zu diesem Schritt entschieden: er bereitet seine Übersiedlung nach Hamburg vor. (...)Wilhelm Reich wurde 1897 im östlichsten Teil des österreichischen Kaiserreiches geboren. 1914 mußte er vor den vordringenden russischen Truppen fliehen. Seinen Wehrdienst leistete er an der italienischen Front als Leutnant. Nach dem Krieg studierte er Medizin in Wien. Bereits 1920 wurde er Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Sein Beitrag zur Psychoanalyse kreist um das Problem der Gesundheit. In der somatischen Medizin gab es kein Problem: ein Mensch mit einem gebrochenen Bein ist krank, ist der Knochen wieder gerade zusammengewachsen, ist der Patient wieder gesund. In der Psychiatrie stellte sich die Frage erst gar nicht, da es um prinzipiell unheilbare "frühzeitige Verblödung" (Dementia praecox) ging. Doch was sollte Gesundheit für einen psychoanalytischen Patienten bedeuten? Reichs Lösungsansatz war naheliegend: Gesundheit ist gleichbedeutend mit einem geregelten Libidohaushalt, und da "Libido" nichts anderes ist als die "Sexualenergie", ist in dieser Hinsicht die Funktion des Orgasmus offensichtlich. Gesundheit ist identisch mit der Fähigkeit im Geschlechtsakt vollständige Befriedigung zu erlangen. Leider ist dieses Kriterium für Gesundheit schwer zu objektivieren. Aus diesem Grund wandte sich Reich den beiden Nachbardisziplinen der Psychologie zu: der Soziologie und der Biologie. In der Soziologie suchte er nach "orgastisch potenten" Menschengruppen. Bei dem Ethnographen Bronislaw Malinowski, der die Ureinwohner von Melanesien untersucht hatte, stieß Reich auf zwei Arten von Menschen: die Trobriander, die spontan alle jene Eigenschaften zeigten, die Reich bei seinen geheilten Patienten gefunden hatte, und deren Nachbarstämme, die teilweise sogar noch neurotischer waren, als der durchschnittliche Mitteleuropäer. Angeregt durch den Marxismus suchte Reich auch im "ökonomisch fortschrittlichen" Proletariat Mitteleuropas nach Elementen für sozusagen "libido-ökonomische" Fortschrittlichkeit. Reichs Scheitern an der Marxschen Theorie führte ihn schließlich zur Formulierung des Konzepts der Arbeitsdemokratie, die das gesellschaftliche Äquivalent für "orgastische Potenz" darstellt. Es wird umrissen durch sein Motto: "Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen!" 1933 flüchtete Reich vor den Nationalsozialisten nach Skandinavien, 1939 in die USA. In diese Periode fallen seine biologischen Experimente zur Erforschung der "orgastischen Plasmazuckung", die sich beim Menschen in dem von Reich entdeckten "Orgasmusreflex" kundgibt. Dazu gehörten die "bioelektrischen Experimente" und die "Bionexperimente", in denen er das Energiefeld des Menschen und das Energiefeld von Mikroorganismen untersuchte. Beim Versuch diese Strahlung zu isolieren, baute er 1940 einen Kasten aus Metall, der außen mit organischem Material beschichtet war. Jedoch mußte er feststellen, daß diese Anordnung die organismische Strahlung (die Reich als "Orgonenergie" bezeichnete) nicht etwa isoliert, sondern ganz im Gegenteil aus der Umgebung akkumuliert. Sie ist also überall vorhanden und läßt sich entsprechend therapeutisch nutzen. (...) Ende der 40er Jahre kam es zu einer Untersuchung der amerikanischen Gesundheitsbehörde. Sie kulminierte in Reichs Inhaftierung und Tod im Gefängnis 1957. Ab 1950 widmete sich Reich vollständig seiner Orgonforschung und übergab deshalb die Leitung der Ausbildung in "Orgontherapie", die den Orgasmusreflex freisetzen soll, seinem Schüler Dr. Elsworth F. Baker. Aus dieser Tradition ist Dr. Vittorio Nicola hervorgegangen. Seit Ende der 70er Jahre Mediziner nahm er nach der psychiatrischen Facharztprüfung Mitte der 80er Jahre seine Ausbildung an Bakers Institut in Princeton, New Jersey auf. Seit Anfang der 90er Jahre ist er in Europa als Orgontherapeut tätig. Dr. Nicola – your turn:
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Der zweite Seminarabend mit dem italienischen Orgonomen Dr.med. Vittorio Nicola fand am 21. Juni 2008 statt. Eine gekürzte Fassung des Vorwortes, das 1945 Reichs Schüler und amerikanischer Übersetzer Dr. Theodore P. Wolfe der amerikanischen Ausgabe von Reichs Buch CHARAKTERANALYSE vorangestellt hatte, wurde als Einleitung zu Dr. Nicolas Darstellung der Charakteranalyse und Reichschen "Körpertherapie" verlesen: 1933 war die Veröffentlichung von Reichs CHARAKTERANALYSE ein Meilenstein der Psychoanalyse. Zu einer Zeit, als sich die Psychoanalyse immer mehr in metapsychologischen Spekulationen verfing, lag hier ein Buch vor, das auf soliden psychoanalytischen Prinzipien und auf präziser klinischer Beobachtung beruhte. Sowohl theoretisch als auch praktisch stellte es den ersten bedeutenden Schritt dar über die übliche Symptom- und Interpretationsanalyse hinaus.Theoretisch enthob es das Konzept "Charakter" dem Bereich der Moralphilosophie und machte es zum Objekt wissenschaftlicher Untersuchung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Psychoanalyse nur den historischen Hintergrund einiger individueller Charakterzüge untersucht. Der "Charakter" als solcher wurde als eine unwillkommene Komplikation betrachtet und wurde als "gut" oder "schlecht" im üblichen Sinne eingestuft, anstatt wissenschaftlich untersucht zu werden. Eine wissenschaftliche Charakterologie, die die Frage nach Art und Funktion der Charakterbildung und der Bedingungen der charakterlichen Differenzierung, d.h. die Entwicklung fest umrissener Charaktertypen beantworten würde, war nie in Angriff genommen worden. In der Praxis haben die neuen Einsichten in die Funktion des Charakters zwangsläufig zu grundlegenden Veränderungen der therapeutischen Technik geführt. Der Akzent verschob sich vom unbewußten Material, das durch "freie Assoziation" erlangt wird, zum Charakter des Patienten, d.h. zu seinem "charakteristischen" Verhalten bei der Abwehr gegen die analytische Einsicht und das unbewußte Material. Die Bedeutung dieser Änderung in der Technik kann nur von jenen Therapeuten gewürdigt werden, die sich selber einer Charakteranalyse unterzogen haben und die die Technik in ihrer eigenen Praxis gemeistert haben. Sie machte Patienten einer Behandlung zugänglich, die zuvor unzugänglich geblieben wären. Sie setzte jenen deprimierenden langjährigen Analysen, insbesondere bei Zwangsneurosen, ein Ende, wo ein Übermaß unbewußten Materials ohne irgendeinen therapeutischen Nutzen erschlossen wurde, weil es der Analyse nicht gelang, die Affekte des Patienten zu mobilisieren. Dies lag wiederum in der Tatsache begründet, daß die Affekte größtenteils im Charakterpanzer gebunden waren, aus dem man sie nur durch die charakteranalytische Technik befreien konnte. Da diese Phänomene verstanden und therapeutisch nun gehandhabt werden konnten, wurden die therapeutischen Alibis überflüssig, daß "der Patient keine Besserung wolle", weil er ein "unbewußtes Strafbedürfnis" hätte, einen "Todestrieb", etc. Von vielen Psychoanalytikern wurde das Buch enthusiastisch begrüßt. (...) Zieht man jedoch die psychoanalytischen Veröffentlichungen und private Gespräche mit Psychoanalytikern in betracht, war ein wirkliches Verständnis der Charakteranalyse sehr gering. Der hauptsächliche Grund ist die Tatsache, daß man nicht – wie es viele versucht haben – die Charakteranalyse akzeptieren und anwenden kann, ohne die Orgasmustheorie anzuerkennen. Man kann nicht argumentieren, wie es so viele Psychoanalytiker tun: "Ja, die Charakteranalyse ist richtig, die Orgasmustheorie aber nicht." Da das unzweideutige therapeutische Ziel der Charakteranalyse die Etablierung der orgastischen Potenz ist, folgt daraus, daß die Charakteranalyse und die Orgasmustheorie untrennbar miteinander verknüpft sind. Jedoch sind die Konzepte "orgastische Potenz" und "orgastische Impotenz" noch überhaupt nicht in das psychoanalytische Denken eingedrungen. Ein Mann wird immer noch als "potent" betrachtet, wenn er erektil und ejakulativ potent ist. (…) [W]enn man die Orgasmustheorie nicht akzeptiert hat, nicht erkennt, daß die Grundlage der Neurose sexuelle Stauung aufgrund orgastischer Impotenz ist, wirkt sich das unvermeidlich auf die Praxis aus: dann ist das praktische Ziel der Therapie nicht die Herstellung der orgastischen Potenz, so daß sich die sexuellen Energien, die im therapeutischen Prozeß freigelegt wurden, ein anderes Ventil suchen müssen. (…) Besondere Erwähnung gebührt eine spezielle Art und Weise die Charakteranalyse "anzuerkennen": die Verwendung der Bezeichnung "Charakteranalyse" für eine Technik, die rein gar nichts mit ihr gemein hat. Das ist eine heimtückische Art und Weise neue Entdeckungen aus dem Weg zu räumen, die viele Parallelen in der Geschichte der Wissenschaft hat. (…)
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Am 27. September 2008 zeigte Dr. Nicola den amerikanischen Dokumentarfilm ROOM FOR HAPPINESS. In dem 53-minütigen Film werden echte Patienten, sieben Erwachsene und zwei Kinder, in realen Behandlungssituationen porträtiert. Sie befinden sich in medizinischer Orgontherapie, der körperpsychotherapeutischen Behandlungsmethode, die von Wilhelm Reich entwickelt worden ist. Dem Zuschauer wird Theorie, Praxis und Potenzial einer Form von Psychotherapie nahe gebracht, die weltweit von einer wachsenden Anzahl von Psychiatern praktiziert wird. Reich hat entdeckt, dass traumatisierende Erfahrungen im Säuglingsalter und der frühen Kindheit zwar häufig vergessen werden, aber tief in unserem Inneren eingeschlossen bleiben – nicht nur in unserer Psyche, sondern auch innerhalb der Struktur unseres Körpers. Die Behandlung bewirkt das Freisetzen von lange aufgestauten Gefühlen und verschafft ein umfassendes Gefühl der Erleichterung, so dass Patienten regelmässig davon berichten, sie würden sich in ihren Körpern freier fühlen und sie seien besser in der Lage, ein erfülltes Leben zu führen.Medizinische Orgontherapie ist ein einzigartiger Ansatz zur Behandlung emotionaler und körperlicher Krankheiten. Sie baut jene Blockaden ab, bzw. beseitigt sie ganz, die den natürlichen Ausdruck der Emotionen und gesunder sexueller Empfindungen behindern. Nach Jahren der Forschung in Klinik und Labor, stellte Reich fest, dass Emotionen, sexuelle Empfindungen, generell die Lebensprozesse, Ausdruck einer biologischen Energie im Körper sind. Er nannte diese Energie "Orgonenergie". Er glaubte, dass tiefempfundene, echte Liebe und die Fähigkeit, einen befriedigenden Orgasmus zusammen mit seinem Partner zu erfahren, der umfassendste und tiefste Ausdruck unseres Seins sind und im Zentrum der Aufrechterhaltung einer optimalen Gesundheit stehen. Die Behandlungsmethode entwickelte sich aus der Beobachtung der Bewegung und Blockierung von Energie im Körper. Unter natürlichen Bedingungen erleben Babys und Kinder die Welt als lustvoll und greifen nach ihr aus. Werden diese Antriebe frustriert, zieht sich das Kind in sich selbst zurück und es entwickelt Strategien, um sich dem Druck anzupassen. Wenn das Gefühl der Ohnmacht andauert, werden die Abwehrmechanismen chronisch und reichen bis in das erwachsene Leben hinein, selbst wenn diese Reaktionen nicht mehr notwendig sind. Beispielsweise kann ein Kind eine unterwürfige Haltung einnehmen, um einen verärgerten Elternteil zu besänftigen und dann später als Erwachsener allen Autoritätspersonen gegenüber Unterwerfung signalisieren, selbst wenn es angebrachter wäre, seinen Mann zu stehen. Medizinische Orgonomen glauben, dass solche Charakterhaltungen sich unmittelbar in Muskelverspannungen niederschlagen. Diese "muskuläre Panzerung" hält Gefühle, wie Zorn, Furcht oder Traurigkeit in Schach, die man nicht ertragen oder akzeptieren kann. Der Einzelne ahnt normalerweise nichts von seiner Muskelpanzerung oder davon, dass körperliche Beschwerden, wie Kopfschmerzen, ein steifer Nacken oder Rückenschmerzen, ihre Ursache in unterdrückten Gefühlen haben können. Orgontherapie ist bisher die wirkungsvollste Methode, um den Einzelnen in bessere Übereinstimmung mit seiner wahren Natur zu bringen und sein Funktionsniveau zu erhöhen. Durch diese Methode wird der Organismus langsam von seiner chronischen Kontraktion befreit und mit der Auflösung der Panzerung ein besserer Kontakt mit dem eigenen Selbst und der Umwelt hergestellt. Die Verbesserung des Kontakts und der damit zusammenhängende Anstieg des Energieniveaus ermöglichen es dem Einzelnen, das Leben umfassender zu leben und zu geniessen. Da alle medizinischen Orgontherapeuten Ärzte sind, die zusätzlich eine Ausbildung als Psychiater hinter sich haben, besitzen sie das Rüstzeug, um körperliche Leiden zu diagnostizieren und direkt an ihren Patienten zu arbeiten. Die Behandlung umfasst Charakteranalyse und die Freisetzung verborgener Gefühle durch Atmen und direkte Arbeit an spastischen Muskeln. Die Therapie legt nicht viel wert auf psychologische Ursachen und vertieft sich nicht grossartig in das weit zurückliegende Verhältnis zu den Eltern. Hervorzuheben ist, dass die Techniken, die in dieser Therapie zur Anwendung kommen, nicht die selben wie in einigen anderen Methoden sind, die dazu dienen, körperliche Spannungen anzugehen, etwa Akupressur, Massage und Tiefenatmung. Charakteranalyse hat ihre eigenen spezifischen Techniken, die nicht mit "positiver Affirmation", "angeleiteter Selbstbeobachtung" und ähnlichen therapeutischen Ansätzen verwechselt werden dürfen. Medizinische Orgontherapie ist ein einzigartiger Ansatz zur Prävention und zur Behandlung einer ganzen Liste von psychischen und körperlichen Leiden. Medizinische Orgonomen berichten über die erfolgreiche Behandlung der gesamten Palette von emotionalen Symptomen und Beziehungsproblemen. Schwerwiegende Störungen wie Depression, Schizophrenie, Panikstörung und ADHS können behandelt werden, ohne auf Medikation zurückgreifen zu müssen. Die Beseitigung der Panzerung reicht aus, das natürliche, gesunde Funktionieren wiederherzustellen. Die Patienten gewinnen ihre natürliche Fähigkeit zurück, Befriedigung aus der Liebe, der Arbeit und dem Streben nach Wissen zu ziehen.
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Am Samstag, dem 22. November 2008 zeigte Dr. Nicola den amerikanischen Dokumentarfilm RIGHT FROM THE START. RIGHT FROM THE START zeigt die Anwendung der medizinischen Orgontherapie bei drei Säuglingen. Der Zuschauer wird Zeuge, wie man mit dieser Methode Panzerung verhindern kann. "Panzerung" bezeichnet die körperlichen Verkrampfungen, die unwillkürlich auftreten, wenn das Individuum eine traumatische Erfahrung durchmacht. Leider gewinnt die Panzerung schließlich ein Eigenleben und hat Auswirkungen über das gesamte spätere Leben hinweg. Panzerung, für die man Jahre braucht, um sie wieder aufzulösen, nachdem sie sich beim Erwachsenen erst einmal verfestigt hat, kann durch diese einzigartige Methode bei Babys einfach und schnell beseitigt werden. RIGHT FROM THE START ist mehr als eine Demonstration – es ist ein Appell für einen liebevolleren und gewissenhafteren Umgang mit dem Neugeborenen und ein eindringliches Plädoyer für ein frühzeitiges therapeutisches Eingreifen. Reich hat sich während seines gesamten Lebens mit Neugeborenen und Babys beschäftigt. Er besaß die außergewöhnliche Fähigkeit, von dem zu lernen, was er sah. Zu seinen Lebzeiten gewann die Vorstellung, daß die Erfahrungen der Kindheit den Charakter des späteren Erwachsenen formen, an Bedeutung. Reich ging weiter: viele Störungen reichen weiter zurück als man sich bis dahin vorstellen konnte, d.h. bis zu den ersten Augenblicken des Lebens. Leider wird von vielen diese erwiesene Tatsache noch immer nicht akzeptiert. In den ersten paar Minuten und Stunden des Lebens nimmt das Neugeborene alle traumatischen Ereignisse, die es durchleben muß, auf, obwohl es nicht sprechen, denken oder sich erinnern kann. Wie das Neugeborene oder Kleinkind etwas aufnehmen kann, wenn es nicht in der Lage ist, sich bewußt zu erinnern? Die Antwort findet sich in Reichs bahnbrechender Entdeckung dessen, was er als "Panzerung" bezeichnet hat. "Panzerung" bezieht sich auf die muskulären Verspannungen, die sich entwickeln, wenn man unerfreulichen Empfindungen und Gefühlen ausgesetzt ist. Wie das Wort schon sagt, dient die Panzerung dem Schutz. Für das hochempfindliche System des Säuglings stellt Panzerung die einzige Möglichkeit dar, durch die es sich gegen traumatische Reize schützen kann. Leider bleibt das Kind gepanzert und kann seine Muskeln nicht wieder entspannen. Auf diese Weise bleiben frühe Traumata dauerhaft im Körper eingeschlossen. Bei einem älteren Kind, einem Heranwachsenden oder einem Erwachsenen führen unangenehme Erfahrungen nicht unbedingt zu einer dauerhaften Panzerung. Ein lautes Geräusch, eine brenzlige Situation im Straßenverkehr oder eine erschreckende Szene in einem Film führen allenfalls dazu, daß wir zeitweise angespannt sind, unseren Atem anhalten und uns verkrampfen. Als Erwachsene stehen uns nämlich mehr Abwehrmöglichkeiten zur Verfügung als dem Säugling: wir haben uns entwickelt und können nachvollziehen und einordnen was uns widerfährt. Entsprechend sind wir in der Lage, uns ziemlich schnell zu beruhigen und zu entspannen. Obwohl wir anfangs kontrahieren, um die anstürmenden Gefühle abzuwehren, ist die Kontraktion nicht dauerhaft. Anders als beim empfindlichen Säugling führt die Erfahrung nicht zu einer Panzerung. Bei frühen traumatischen Erlebnissen, d.h. zu einer Zeit, wenn das Individuum noch keine Überlegungen anstellen kann, um diese Erfahrungen abzuwägen und einzuordnen, folgt der Verkrampfung keine volle Entspannung und entsprechend setzt sich die Panzerung fest. Die unbewältigten Gefühle, die das Neugeborene abgewehrt hat, bleiben in der starren muskulären Panzerung gefangen und außerhalb der bewußten Wahrnehmung. Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Spannungen, hat aber trotzdem die Folgen die tragen: Kopfschmerzen, Rücken- und Nackenschmerzen, Angst, Niedergeschlagenheit und andere körperliche oder emotionale Symptome. Anders als die zeitweiligen Verspannungen im späteren Leben, die keine permanenten Spuren hinterlassen, bleibt die chronische Panzerung bestehen und verursacht anhaltende Schäden. Panzerung hindert einen daran, die eigenen Empfindungen und Emotionen im vollen Umfang zu erleben. Leider umfaßt das auch lustvolle Erfahrungen. Obwohl die anfängliche Funktion der Panzerung darin besteht, vor schmerzlichen Gefühlen, etwa Angst und Traurigkeit, zu schützen, hindert die nunmehr chronifizierte Panzerung sogar positive und lustvolle Emotionen daran, zur Oberfläche durchzudringen und zum vollen Ausdruck zu kommen. Das beinhaltet Freude, Glück und insbesondere Liebe. Da diese Emotionen blockiert sind, können sie sich nie frei äußern. Sie bleiben im Körper gefangen. Weil die Panzerung darüber hinaus auch die allgemeine Vitalität reduziert, ist das natürliche Funktionieren des Individuums eingeschränkt. Reich hat festgestellt, daß das schwerwiegendste und dauerhafteste Sichzusammenziehen vielleicht in den ersten Minuten, aber sicherlich in den ersten Tagen des Lebens auftritt. Tatsache ist, daß je früher und zerstörerischer das Trauma ist, desto schwerer und anhaltender die Auswirkungen sind. Viele nehmen irrtümlicherweise an, daß nur weil Säuglinge nicht reden, rational denken oder sich an bewußte Erfahrungen erinnern können, sie irgendwie unbeeinflußt von ihrer Umwelt bleiben. Sie stellen fest, daß Säuglinge schreien, wenn sie hungrig sind, glauben aber, daß solange sie Nahrung erhalten, sie keinen Unterschied zwischen einer warmen, kontaktvollen, liebenden und einer gefühlsmäßig distanzierten Mutter (oder einer anderen Bezugsperson) machen können. Nichts könnte falscher sein! Zu glauben, daß das Fehlen von logischem Denkvermögen und von Sprache die Fähigkeit, Gefühle zu haben, reduziert, ist einfach nur absurd. Ganz im Gegenteil macht es die Empfindungen und Emotionen des Säuglings sogar noch drängender. Unfähig die Intensität dessen zu tolerieren, was ihm widerfährt und unfähig seine Gefühle rational zu verarbeiten, bleibt dem Säugling nur, sich abzupanzern, um die Traumata zu verdrängen. Als Ergebnis der Verspannungen, die es entwickelt, werden die angeborene Persönlichkeit und das natürliche Potential des Neugeborenen für immer kompromittiert. All das beginnt bei der Geburt. Die Panzerung, die der Mensch entwickelt, ist danach die letztendliche Ursache seines Gefühlslebens und liegt sogar vielen seiner körperlichen Erkrankungen zugrunde. Leider verursacht die gegenwärtige Praxis der Geburtshelfer Panzerung und trägt in hohem Maße zur lebenslangen Not bei. Diese Ärzte und sogar einige Hebammen verursachen Schäden, weil sie nicht wissen, daß das grazile, arglose Neugeborene so verletzlich ist, wie sie es sich nicht vorstellen können und daß das Baby die Welt um sich herum mit großer Intensität wahrnimmt. Eine unnatürliche Geburt, der Gebrauch einer Geburtszange, grelle Beleuchtung, laute Geräusche, ein kalter Raum, eine unbeholfene oder grobe Krankenschwester, enge Windeln, Trennung von der Mutter oder gar die Beschneidung von männlichen Babys – all diese Erfahrungen sind schmerzhaft und beängstigend und verursachen bei dem gebrechlichen Wesen, das eben erst die Welt betreten hat, eine Panzerung. Es ist ein zutiefst trauriger, ein schrecklicher Gedanke, daß solche alltäglichen, allgemein gutgeheißenen Routinemaßnahmen einen derartig permanenten Einfluß auf das spätere Leben haben. Diese Traumata könnten auf ein absolutes Minimum reduziert werden und die Geburt könnte unter Umständen stattfinden, die sowohl der Mutter als auch dem Neugeborenen angemessen sind, wenn die Prävention von Panzerung die erste Priorität hätte. Wäre dies der Fall, könnte der Menschheit eine Menge Leid erspart bleiben. Allzuoft ist es nicht möglich, eine ideale Geburt und den besten Start ins Leben zu haben, aber es gibt etwas, was man auch dann noch tun kann. Gepanzerte Säuglinge können von den chronischen muskulären Verkrampfungen befreit werden durch eine genauso einfache wie effektive Behandlung: die medizinische Orgontherapie. Auf den einfachsten Nenner gebracht, löst der Arzt, der in dieser Methode ausgebildet worden ist, sanft die Verspannungen in den von der Panzerung betroffenen Körperbereichen auf. Dies ermöglicht die Befreiung von Emotionen, der Säugling empfindet ein unmittelbares Gefühl der Erleichterung und entspannt sich.
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